GQ-Kolumnisten
Paula Lambert

"Im Bett mit Paula" - Paula Lambert kennt sich aus in zwischenmenschlichen Fragen. Darüber schreibt sie - offen, schonungslos, humorvoll und bloß nicht prüde.

Hin und wieder bin ich verblüfft über die Männer und Frauen von heute. Zum Beispiel über die Art, wie sie versuchen, einander ins Bett zu bekommen. Da ich weiß, dass Frauen in Sachen Kommunikation ein wenig, um es vorsichtig zu sagen, knifflig zu handlen sind für Männer, möchte ich mich hier auf das männliche Verhalten bei der Paarungssuche konzentrieren.

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Das übliche Mittel der Kommunikation ist heute irgendetwas in Schriftform. Keine Briefe mehr, Gott sei’s geklagt, denn dann hätte man wenigstens was zum Aufheben und später den Enkeln Zeigen, sondern per E-Mail, WhatsApp oder Facebook undsoweiter. Tinder nicht zu vergessen und natürlich die ganzen anderen Dating-Plattformen, die, so scheint es mir, hauptsächlich dazu genutzt werden, sich gegenseitig die Orthografie zu versauen. Wenn mir einer eine Nachricht schreibt, in der in fünf Sätzen sieben ernstzunehmende Rechtschreibfehler sind, bin ich geneigt, an seiner oder ihrer Substanz zu zweifeln. Aber auf Rechtschreibung scheint außer mir (Berufskrankheit?) eh kaum noch einer Wert zu legen.

Schlimmer als orthografische Unzulänglichkeiten sind aber die Dinge, die sich Menschen sonst so hin und herschreiben. Wie gesagt, über Frauen bin ich nicht mehr allzu sehr verwundert, aber MÄNNER, die Nachrichten mit *frechgrins* beenden oder schreiben *nochimmerganzliebdrück* handeln ebenso unbedacht, als würden sie ihre Hoden bei einem Metzger aufs Brettchen legen und sagen: „Bitte einmal zum Mitnehmen. Und könnten sie die vielleicht schon vorfiletieren? Meine Messer zu Hause sind so stumpf.“

Wenn ich als Mann einen Stich machen wollte, dann würde ich mich vermutlich bemühen, mich möglichst männlich zu benehmen. Ich kann da nur spekulieren, denn ich habe keinen Penis. Ich weiß aber mit großer Sicherheit, dass Frauen, die vögeln wollen, an Penissen und ergo möglichst großer Maskulinität interessiert sind. Daraus schließe ich wiederum, dass es ungeschickt ist, sich eben jenen Penis selbst abzutrennen.

Zusammenfassend möchte ich darum sagen: Kein Mann im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und mit angeschlossenem Fickwunsch sollte Dinge schreiben wie:

  • *schüchternguck*
  • *rotwerd*
  • *frechnachfrag*
  • *unartigsei*
  • *lüsterngrins*
  • *lümmeligwerd*

und auf gar keinen Fall und niemals

  • *dichrichtigrannehmwoll*

Danke.

Als ich heute morgen aufgewacht bin, dachte ich, dass es eine spitzenmäßige Idee wäre, wenn ich über meinen Traum schreiben würde.

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Es war zwar so, dass ich von GQ geträumt habe, aber leider nicht so, wie sich das die Marketingabteilung idealerweise vorstellt. Also: Ich ging am Strand spazieren und stolperte plötzlich über einen Mann, der flach auf dem feuchten Sand lag. Auf dem Hintern des Mannes lag aber, aufgeklappt und schön glatt gestrichen, die aktuelle Ausgabe der GQ. „Ach, wie schön“, sagte ich zu mir, „was könnte mir besseres passieren, als am Strand zu spazieren und dabei eine GQ zu finden.“ (Der Gedanke, dass es den Mann empören könnte, wenn ich einfach sein Magazin nehme, kam mir interessanterweise gar nicht.) Jedenfalls hob ich das Heft hoch, nur um festzustellen, dass der Mann darunter komplett nackt war. Nicht nur das. Als ich ihn ein bisschen anhob (er war eher der passive Typ), sah ich, dass er mit einer riesigen Erektion gesegnet war, die im Sand steckte. Er vögelte mit einer GQ auf dem Hintern den Strand.

Wie gesagt, als ich aufwachte, war ich überzeugt, dass es eine gute Idee wäre, darüber zu schreiben, aber jetzt, wo ich es tue, finde ich es gar nicht mehr so gut. Das ist ja das knifflige an Ideen. Entweder sie sind spitze oder eben nicht. Ich glaube nicht, dass Thomas Edison in seinem Labor saß und dachte, ach, dieses Glühbirnendings, dass ich da in der Hand halte, ist wirklich Mist, so was braucht kein Mensch. Vermute ich. Eher dachte er etwas wie: Dolles Ding, jetzt verdiene ich viel Geld, und dann hört meine Olle endlich auf zu keifen. Man muss praktisch denken. Ich glaube darum, dass es besser ist, wenn ich jetzt wieder ins Bett gehe. 

In fast jeder deutschen Großstadt, besonders aber in Berlin, gibt es außergewöhnlich viele alleinstehende Frauen um die 40. Viele von ihnen sind mit Neurosen gespickt wie Teenager mit Pickeln und ebenso unangenehm im Umgang. Ich habe den Verdacht, dass die rein theoretisch dazu passenden Männer Angst vor ihnen haben, was zur Folge hat, dass den alleinstehenden Frauen ein dauerhafter Sexualpartner fehlt; ein Umstand, der wiederum das Sprießen der Neurosen zu begünstigen scheint und zur Folge hat, dass am Ende nicht mal mehr einfach Sex drin ist. Die Männer hingegen brauchen ja auch Sexualpartner. Zwangsläufig orientieren sie sich also in den Bereich der um die Zwanzigjährigen, was zu geistiger Unterernährung beim Manne führt, die wiederum den grausigen Teufelskreis derart beschleunigt, dass Berlin sexmäßig auf eine lose-lose-Situation zusteuert.

Neurotische, sexlose Frauen sind für die deutsche Großstadt in etwa das, was traumatisierte, wütende und zukunftslose junge Männer im arabischen Raum sind. Zum Glück habe ich ein neues Spielzeug entdeckt, dass möglicherweise bald großflächig Frieden bringen wird. Der „Womanizer“ ist so eine Art Saug-Stoß-Brumm-Vorrichtung, die sich intensiv mit der weiblichen Klitoris auseinandersetzt. Stichproben im Freundeskreis haben ergeben, dass die Orgasmusratio mit dem „Womanizer“ erschütternd hoch und von derart befriedigender Qualität, dass Freundin N. sich bereits zu der Aussage hinreißen ließ: „Ich sage es nicht gern, aber das Ding ist ein weiterer Schritt zur Überflüssigmachung des Mannes.“ Das ist natürlich nicht wahr, aber ich empfehle jedem gestressten Großstadtmann, der neurotischen Ziege seiner Wahl so ein Ding zu besorgen. Lächeln ist nach wie vor das beste Mittel gegen trübsinnige Garstigkeit.

Durch einen merkwürdigen Zufall ist vor ein paar Tagen das Buch „Sex-Rekorde und Sensationen“ auf meinem Schreibtisch gelandet. Es stammt aus dem Jahr 1990, die Bildsprache allerdings aus den frühen Achtzigern, was mich rückschließen lässt, dass jemand ein paar Fotos zusammengeklaubt und sich gedacht hat: „Dufte, daraus machen wir ein lehrreiches Büchlein mit abwaschbaren Seiten.“ Tatsächlich stehen erstaunliche Dinge darin, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

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„Längeres Aussetzen der sexuellen Betätigung, zum Beispiel durch Trennung, Krankheit oder Haft, lässt die Libido erlöschen.“ Ich kann nur vermuten, in welchem Umfeld sich der Autor in seiner Freizeit bewegt. Vermutlich saß man abends in gemütlicher Runde beisammen, blätterte in den Fotos und sagte: „Ferdinand, du bist doch gerade frisch raus. Wie ist denn das so im Knast mit dem Vögeln?“ – „Ach, total lahm“, wird Ferdi darauf geantwortet haben, „die Haft schlägt mir immer so auf die Libido.“

Tatsächlich scheinen die Kumpel eher aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu stammen. Ich zitiere aus dem Kapitel „La Vieux posierend vor der Kamera“:

„Am Stammtisch war man wieder mal bei dem Thema angelangt, ob im Bett eine junge Frau besser sei oder eine vielerfahrene Alte. ‚Lasst mich in Ruhe mit den jungen Dingern’, meinte Freund Erich. Und er musste es ja wissen, hatte er doch schon etliche Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt! ‚Alterfahrene Gespielinnen sind da einfach besser. Wir hatten damals im Soldaten-Bordell von Belfort eine, die von ihren Mitkämpferinnen fast liebevoll La Vieux genannt wurde – die Alte. Wer zweimal bei La Vieux im Bett gewesen war, hatte für sein Leben ausgelernt.“

Abschließen möchte ich mit den hier dokumentierten Überlegungen einer nicht weiter identifizierten Dame über die Aktbild-Sammlung ihres Mannes: „Mir verging jeder Genuss an der körperlichen Liebe, wenn ich zusehen musste, wie mein Mann mit gierigen Blicken die Fotoweiber betrachtete, während er sich an mir befriedigte. Das halte ich nicht für die feine englische Art.“

Auch nicht die feine englische Art ist es, jetzt einfach aufzuhören. Aber ich muss weiterlesen. Im Kapitel „Oh, neue Burschenherrlichkeit“.  Es beginnt mit den Worten: „Vorbei sind die Zeiten alter Burschenherrlichkeit.“ Schon jetzt ein Klassiker.